Mauro
Hier in der Kleinstadt im Dorf in der Peripherie von Rom gibt es nicht viele Friseure. Um genau zu sein drei, jedenfalls nur drei, die nicht den Anschein hinterlassen völlig von potenziellen Kunden gemieden zu werden. Der erste ist nur für Signorine, wie man mich schon recht deutlich hat wissen lassen, bevor ich auch nur einen Fuß über die Schwelle setzen konnte. Der Zweite, Danielllle, wie er seinen Namen akzentuiert, ist ein wenig zu aufmerksam gegenüber Männern, aber sehr nett. Ein weiteres Problem für mich ist, dass er Preise hat, die den besten VIP-Friseuren locker Konkurrenz machen. Jedoch, da es ein wahrer Sport ist up to date mit den aktuellen Präsentiermädchen des Fernsehens zu sein (dazu irgendwann mehr), lebt Daniele sehr gut. Spätestens, nachdem er mir ein Apartment in seiner unmittelbarer Nachbarschaft angeboten hat, entschied ich mich mein Glück woanders zu suchen.
Der dritte Friseur ist in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, ca. 50m Fußweg. Ein simples Ladengeschäft, die in leichtem braun getönten Fenster im Sommer zusätzlich durch venezianische Jalousien verdunkelt, keine Dekoration oder gar Auslagen. Nichts was irgendwie auf Friseur hinweisen könnte. Über dem Fenster eine schlichte, beige Markise mit seinem Name in schwarzen Buchstaben aufgeklebt: Mauro.
Anfangs, schlenderte ich immer ein wenig ehrfürchtig aber auch neugierig vorbei. Nach Danieles zuvorkommendem Angebot fasste ich dann letztendlich Mut und öffnete eines Nachmittags die Glastür, schob die Jalousien bedächtig beiseite und trat ein. Fünf Köpfe drehten sich abrupt zu mir um undstarrten schauten mich an. Todesstille.
Ich: "Ist heute noch was frei?"
Mauro, in akzentfreiem römischen Dialekt, die Rasierklinge gefährlich nah am Hals eines Kunden: "Eeeeh, ich bin ein wenig beschäftigt. Wenn's dir nichts ausmacht komm doch morgen nochmal vorbei."
Man muss dazu wissen, dass Friseure hier keine Termine machen, da sich eh keiner daran hält. So ging das die folgenden Nachmittage bis Mauro entweder genervt oder Mitleid mit mir hatte. Jedenfalls durfte ich Platz nehmen. So saß ich da in auf seinem schwarzem, etwas speckigem Sofa der sechziger Jahre.
Mauros Laden hat ungefähr 4x4m und besteht aus eben diesem Sofa, fünfSex-Magazinen, einem Aquarium mit drei, nach der Bewegungsfähigkeit zu schätzen, ebenfalls aus den Sechziger Jahren stammenden Fischen, zwei reichlich abgenutzten Friseurstühlen und einem Spiegeltisch aus Holz mit leicht milchigen Spiegeln. An der Wand gegenüber dem Eingang hängen drei eingerahmte Fotos. Zwei davon mit Motiven, die sich so oder in anderer Form in jedem zweiten Restaurant, Friseur oder Geschäft in Rom und südlich davon wiederfinden. Ein Foto von Alberto Sordi aus "Ein Amerikaner in Rom"
und ein beliebiges Foto von Totò, neapolitanischer Schauspieler mit Kultstatus. Nicht zuletzt der Fernseher rechts oben eingepfercht an der Zimmerdecke, ständig in Richtung Kundschaft schallend.
Die Preisliste besteht aus zwei Einträgen:
Haarschnitt: 9 Euro
Rasur: 4 Euro
Wer von Mauro eine vorherige wohltuende Kopfmassage im Haarwaschbecken erwartet liegt ziemlich falsch. Mit 1000fach geübtem Wedeln wird der Plastikumhang blitzschnell um den Hals gelegt. Ein kurzer Tritt auf das Pedal des Sitzes um die Höhe zu justieren. Kurze Frage wie man es denn gerne hättest. Anschließend umkreist er dich einmal mit seiner Sprühflasche, um die Haare anzufeuchten und um dann die Schere anzusetzen. Das ganze dauert ungefähr 20 Minuten. 17 Minuten schnibbeln, 3 Minuten mit dem Fön, Einpinseln mit einer Wolke aus Bortalk, um mit der Frage abzuschließen: "Darf's ein wenig Gel sein?"
Neun Euro verschwinden beiläufig ohne den gesetzlich vorgeschriebenen Kassenzettel in der Holzschublade des Spiegeltisches.
Dreiviertel der anwesenden Personen ist nicht etwa zugegen, um sich die Haare schneiden zu lassen, sondern um Schwätzchen zu halten, brandheisse Neuigkeiten auszutauschen, den besten Mechaniker zu erfragen, ihr Auto zu verkaufen oder den Rest ihrer Pension zu verbringen.
Es hat Ewigkeiten gedauert bis Mauro weiter als die typischen Fragen nach dem Haarschnitt gegangen ist und ich brauchte Ewigkeiten, um seinen Dialekt zu verstehen.
Inzwischen sind für mich 9+4 Euro die beste Investition für einen Samstagmorgen.
Der dritte Friseur ist in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, ca. 50m Fußweg. Ein simples Ladengeschäft, die in leichtem braun getönten Fenster im Sommer zusätzlich durch venezianische Jalousien verdunkelt, keine Dekoration oder gar Auslagen. Nichts was irgendwie auf Friseur hinweisen könnte. Über dem Fenster eine schlichte, beige Markise mit seinem Name in schwarzen Buchstaben aufgeklebt: Mauro.
Anfangs, schlenderte ich immer ein wenig ehrfürchtig aber auch neugierig vorbei. Nach Danieles zuvorkommendem Angebot fasste ich dann letztendlich Mut und öffnete eines Nachmittags die Glastür, schob die Jalousien bedächtig beiseite und trat ein. Fünf Köpfe drehten sich abrupt zu mir um und
Ich: "Ist heute noch was frei?"
Mauro, in akzentfreiem römischen Dialekt, die Rasierklinge gefährlich nah am Hals eines Kunden: "Eeeeh, ich bin ein wenig beschäftigt. Wenn's dir nichts ausmacht komm doch morgen nochmal vorbei."
Man muss dazu wissen, dass Friseure hier keine Termine machen, da sich eh keiner daran hält. So ging das die folgenden Nachmittage bis Mauro entweder genervt oder Mitleid mit mir hatte. Jedenfalls durfte ich Platz nehmen. So saß ich da in auf seinem schwarzem, etwas speckigem Sofa der sechziger Jahre.
Mauros Laden hat ungefähr 4x4m und besteht aus eben diesem Sofa, fünf
und ein beliebiges Foto von Totò, neapolitanischer Schauspieler mit Kultstatus. Nicht zuletzt der Fernseher rechts oben eingepfercht an der Zimmerdecke, ständig in Richtung Kundschaft schallend.Die Preisliste besteht aus zwei Einträgen:
Haarschnitt: 9 Euro
Rasur: 4 Euro
Wer von Mauro eine vorherige wohltuende Kopfmassage im Haarwaschbecken erwartet liegt ziemlich falsch. Mit 1000fach geübtem Wedeln wird der Plastikumhang blitzschnell um den Hals gelegt. Ein kurzer Tritt auf das Pedal des Sitzes um die Höhe zu justieren. Kurze Frage wie man es denn gerne hättest. Anschließend umkreist er dich einmal mit seiner Sprühflasche, um die Haare anzufeuchten und um dann die Schere anzusetzen. Das ganze dauert ungefähr 20 Minuten. 17 Minuten schnibbeln, 3 Minuten mit dem Fön, Einpinseln mit einer Wolke aus Bortalk, um mit der Frage abzuschließen: "Darf's ein wenig Gel sein?"
Neun Euro verschwinden beiläufig ohne den gesetzlich vorgeschriebenen Kassenzettel in der Holzschublade des Spiegeltisches.Dreiviertel der anwesenden Personen ist nicht etwa zugegen, um sich die Haare schneiden zu lassen, sondern um Schwätzchen zu halten, brandheisse Neuigkeiten auszutauschen, den besten Mechaniker zu erfragen, ihr Auto zu verkaufen oder den Rest ihrer Pension zu verbringen.
Es hat Ewigkeiten gedauert bis Mauro weiter als die typischen Fragen nach dem Haarschnitt gegangen ist und ich brauchte Ewigkeiten, um seinen Dialekt zu verstehen.
Inzwischen sind für mich 9+4 Euro die beste Investition für einen Samstagmorgen.
matidio - 14. Jul, 23:02
