Thursday, 21. July 2005

Cimitero acattolico

Es gibt wenig zu schreiben, um so mehr zu sehen. Ein Kollege, Mimmo, hat heute die Mittagspause zur Ortsbesichtigung für ein Model- Portraitshooting genutzt ...

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Auf die Bilder klicken, um die ganze Kollektion zu sehen ...

Monday, 18. July 2005

Acqua, sale, pasta e la luna

Es klingt recht einfach: eine gute Menge Wasser, Salz zusammen in einem Topf zum Kochen bringen, Pasta dazu, ein wenig warten und fertig. Drei elementare Lebensmittel, deren Komposition im ungünstigsten Fall ein Beziehungsdisaster auslösen kann im besten geflissentlich als Selbstverständlichkeit abgetan wird. Gute Pasta kochen ist eine Kunst und wird jedem Italiener quasi in der Muttermilch mitgegeben. Als durchschnittlicher Nordmitteleuropäer besteht - vor allem in südlicheren Gefilden - die Gefahr von seinen Freunden mitleidig belächelt zu werden, wenn man mit dem Kochlöffel auch nur in die Nähe des Pastatopfes kommt. Falls einem der Zugang zur Küche nicht eh schon rigoros verwehrt bleibt.

Die Besonderheiten fangen schon mit der Wahl der Pasta im Supermarkt an. Jeder noch so kleine Laden hat mindestens zwei Regale für die verschiedensten Sorten reserviert und darin ist die frische Pasta nicht mal eingerechnet. Pasta mit Ei oder ohne Ei, lange, mittellange oder kurze Pasta, die verschieden Formen kommen noch mal in diversen, durch Nummern gekennzeichneten Größen oder Festigkeiten vor. pastaUnd als ob das nicht schon reichen würde, gibt es das ganze Sortiment jeweils bei circa zwanzig verschiedenen Herstellern. Wohl oder übel bleibt einem anfangs nichts anderes übrig, als sich von jeder Variante eine Packung zuzulegen, um im Notfall für die passende Soße auch die entsprechende Pasta parat zu haben. Auch wenn das heißt die halbe Küche umzuräumen, um Platz für Pastakartons zu schaffen.

Pasta braucht viel Platz im Topf, damit sie beim Kochen nicht zusammenklebt. Das heißt es braucht einen großen Topf mit viel Wasser. Wenn Italiener von großen Töpfen reden, meinen sie auch groß. 12 Liter Töpfe sind keine Seltenheit, aber es wurden auch schon 25 Liter Exemplare in neapolitanischen Großfamilien gesichtet. Das Material spielt eine etwas untergeordnete Rolle, auch wenn die einen auf Aluminium-, die nächsten auf Stahl- oder die dritte Gruppe gar auf Keramiktöpfe schwört. Wer jetzt denkt es macht keinen Unterschied ... in Aluminiumtöpfen hinterlässt das Salzwasser keine Flecken, auf Stahltopfböden hingegen gibt es weiße, schwer zu entfernende Schlierflecken und Keramiktöpfe rauen sich nach jahrelangem Pastakochen auf.

Überhaupt das Salz. Man nimmt nur grobes Meersalz zum Pastakochen und das reichlich. Angeblich soll es keinen Unterschied zwischen grobem und feinem Salz für die Pasta geben. Die einen sagen es läge daran, dass man zu Großmutters Zeiten das feine Salz selbst mahlen musste und deshalb für die Pasta grobes ausreichte. saleDie anderen meinen, grobes sei einfacher in der Faust zu dosieren und bleibe nicht an den Händen kleben. In jedem Fall nutzt es wenig mit wissenschaftlichen Argumenten beizukommen. Der letzte Versuch meinerseits wurde von der Mutter des neapolitanischen Mädchens mit einem 10 Minutenvortrag und einem den Nachmittag dauernden Strafblick gewürdigt. Da ich absolut nicht gewillt bin zukünftig auf einen ihrer kulinarischen Genüsse zu verzichten, blieb es bei diesem einen Versuch. Die Maßeinheit, um die Salzmenge für das Wasser abzuwiegen ist, wie gesagt, die Faust. Auf 5 Liter Wasser kommen Minimum 2 Fäuste voll Salz. Das Salz wird erst kurz nach dem Aufkochen des Wassers beigegeben. Fügt man es vorher hinzu legt es sich auf den Topfboden und verlängert die Dauer bis zum Siedepunkt. Außerdem gibt es die oben genannten Salzflecken. Wartet man hingegen wieder zu lange, gibt es den so genannten Geysireffekt. Kurz nach dem Hinzufügen kocht das Wasser kurz stark auf, und wenn man nicht schnell genug den Gashahn in die richtige Richtung dreht, ist Herdschrubben angesagt. Auf Elektroherden hilft nur den Topf von der Platte herunterschubsen, aber Elektroherde gibt es hier nicht ...

Ist das Salz im Topf, beginnt die heikelste Phase: das Warten. Eieruhren sind verpönt, jedenfalls bei der älteren Generation. Eine italienische Mutter erkennt am Geruch der Pasta wann sie al dente ist und weiß wann sie sich wieder zurück in die Küche begeben muss. Die etwas Ungeübteren erkennen am langsam Verlust des glasigen Aussehens der Pasta wann die letzte Runde eingeläutet ist. Ein einziger Test eines mit dem Holzlöffel herausgefischten Spaghetto gibt Aufschluss darüber, ob die Pasta noch 1 Minute im Wasser verweilen darf oder der Moment des Abschöpfens gekommen ist. Zwei Methoden werden verwendet, je nach Soßenart:
  • Die Collapasta, das Nudelsieb. Hierbei wird die Pasta einfach über dem Spülbecken in das Sieb geschüttet, zwei leichte Schwünge mit dem Sieb, um das Wasser entfernen, ohne frisches Wasser von oben nachzuspülen, und die Pasta wieder zurück in den Topf. Noch ein Löffel der vorbereiteten Soße in den Pastatopf, damit die Pasta nicht zusammenpappt.
  • Die elegantere, aber wesentlich schwierige Methode ist mit dem Pastalöffel. Im richtigen Moment wird das Gas abgedreht, der Löffel in das Pastawasser eingetaucht und mit drei, maximal vier, den ganzen Topfboden abgreifenden Griffen die Pasta aus dem Wasser in die Pfanne gehievt. Das Ganze erfolgt im Blindflug - Pastawasser ist milchig und man sieht die Pasta vor Augen nicht - und blitzschnell. Ein Augenblick zu lange im noch fast kochenden Wasser und die Pasta ist statt al dente der Ausgangspunkt für einen abendfüllenden Streit.
servi spaghetti1Letzteres Verfahren hat entscheidende Vorteile. Sollte sich unerwartet ein weiterer Gast einstellen, wird das Gas erneut angedreht, eine kleine Faust Salz in das noch warme Pastawasser und nach ein paar Minuten hat der Gast einen Teller frischer Pasta vor sich stehen. Ein bisschen Soße findet sich immer, wenn nicht tut's auch ein Löffel Olivenöl mit Peperoncino. Nicht dass damit der Verwendungszweck des Pastawassers erschöpft wäre. Wenn dann endlich der Tisch abgeräumt, Teller und Pfanne ins Becken gestellt sind, wird das Pastawasser einfach über dieselbigen gespült. Nichts mit hypermodernem Antifettspülmittel, warmes Salzwasser vertreibt auch das letzte Fettauge.

Letztendlich gibt es natürlich noch diverse Fortgeschrittenenkurse des Pastakochens wie z.B. Spaghetti mit Jakobsmuscheln. Hier wird nur die Hälfte an Salz ins Wasser gegeben, weil die Muscheln schon Meersalz enthalten. Die Pasta wird ein paar Minuten vorher mit dem Pastalöffel in die Pfanne gebracht. Zusammen mit dem an ihr noch haftenden Salzwasser und dem Sud der Muscheln wird sie in der Pfanne al dente gegart. Diese Kombination in Perfektion zu beherrschen ist die hohe Kunst des Pastakochens und allein Müttern neapolitanischer Töchter vorbehalten.

Und wenn es trotz aller dieser Vorkehrungen scheitert die Pasta al dente auf den Teller zu bringen, dann liegt es vermutlich an den sechs grundsätzlichen Einflüssen aufs Pastakochen:
  1. Es ist Vollmond
  2. Die Nähe zu Halloween
  3. Die/der Köchin/Koch ist indisponiert
  4. Eine schwarze Katze lebt auf derselben Etage wie der Topf
  5. Eine schwarze Katze lebt auf einer anderen Etage aber im selben Gebäude wie der Topf
  6. Die Gasflasche ist leer bevor das Pastawasser kocht

Saturday, 16. July 2005

Arrotino

Wer glaubt sich hier nach einem ausschweifenden Schlemmer- Arbeitsfreitagabend am darauf folgenden Tag von den Freuden Mühen erholen zu können, irrt sich gewaltig. Denn spätestens um 8:30 vertreibt ein langsam anschwellendes, monotones "E' arrivato l'arrotino" mit der Lautstärke von ca. 100 Dezibel gnadenlos jeden Gedanken an Schlaf. Und während man im Geiste sämtliche bekannte Foltermethoden an der Person hinter dem Lenkrad des vorbeischleichenden Fiat Panda Kombi Baujahr 1982 ausprobieren möchte, parkt er diesen voraussichtlich präzise unterhalb deines Schlafzimmerfensters. Der Scherenschleifer ist eine italienische Institution und die Kassette, die den durchdringenden Spruch an das notdürftig mit Klebeband auf dem Dach montierte Megafon weiterreicht, ist wahrscheinlich Italiens meistverbreiteste und seit drei Jahrzehnten unverändert. Podcast der ersten Generation.
Waren es früher Fahrräder so befindet sich heute in dem umgebauten Kofferraum des Pandas eine komplette Werkstatt, nicht nur zum Messer- oder Scherenschleifen. Hier werden auch Schirme und sonstige Haushaltsgeräte repariert und justiert. Ein für 12 Volt Spannungsversorgung umgebautes elektrisches Schleifrad mit sämtlichem Zubehör, um auch das ausgefallenste Messer zu reparieren. Bespannungsstoffe für Schirme, Muffen für Gasherde, ein Schraubensortiment, wovon sich mancher Baumarkt eine Scheibe abschneiden könnte, helfen dabei, dass kein Notfall unversorgt bleibt.
Es mag in der jetzigen Zeit etwas altertümlich anmaßen, aber auch heute bildet sich hinter dem Auto eine Schlange, zugegeben meistens etwas ältere Signore, die mit ihrer kompletten Messerausstattung oder Großmutters Schirm (von wegen Knirps!) geduldig auf ihren Turnus warten. Natürlich ist auch dies, wie fast immer, eine redselige Angelegenheit und zieht sich gewöhnlich länger hin als dafür notwendig wäre.
Und wenn die Schlange letztendlich abgearbeitet ist und der Arrotino die beiden Kofferraumtürchen schließt, um die nächsten Strassen mit seinem Spruch zu beglücken stehst du, wahrscheinlich immer noch fluchend, vor dem hoffentlich funktionierenden Gasherd um die Caffettiera mit dem ersten caffè des Tages aufzufüllen.

È arrivato l'arrotino (mp3, 148 KB)!

Arrota coltelli, forbici, forbicine, forbici da seta, coltelli da prosciutto!
Donne è arrivato l'arrotino e l'ombrellaio; aggiustiamo gli ombrelli; l'ombrellaio, donne!
Ripariamo cucine a gas: abbiamo i pezzi di ricambio per le cucine a gas.
Se avete perdite di gas noi le aggiustiamo, se la cucina fa fumo noi togliamo il fumo della vostra cucina a gas.
Lavoro subito, immediato.
È arrivato l'arrotino

Der Scherenschleifer ist da.
Man schleift Messer, Scheren, Scherchen, Seidenscheren, Schinkenmesser!
Frauen der Scherenschleifer und Schirmmacher ist da; wir justieren Schirme; der Schirmmacher Frauen!
Wir reparieren Gasherde; wir haben Ersatzteile für Gasherde.
Falls Sie Gasverluste haben wir bringen das in Ordnung, falls der Gasherd Rauch macht wir sorgen dafür, daß der Rauch verschwindet.
Sofortige Arbeit, direkt.
Der Scherenschleifer ist da.

Thursday, 14. July 2005

Mauro

Hier in der Kleinstadt im Dorf in der Peripherie von Rom gibt es nicht viele Friseure. Um genau zu sein drei, jedenfalls nur drei, die nicht den Anschein hinterlassen völlig von potenziellen Kunden gemieden zu werden. Der erste ist nur für Signorine, wie man mich schon recht deutlich hat wissen lassen, bevor ich auch nur einen Fuß über die Schwelle setzen konnte. Der Zweite, Danielllle, wie er seinen Namen akzentuiert, ist ein wenig zu aufmerksam gegenüber Männern, aber sehr nett. Ein weiteres Problem für mich ist, dass er Preise hat, die den besten VIP-Friseuren locker Konkurrenz machen. Jedoch, da es ein wahrer Sport ist up to date mit den aktuellen Präsentiermädchen des Fernsehens zu sein (dazu irgendwann mehr), lebt Daniele sehr gut. Spätestens, nachdem er mir ein Apartment in seiner unmittelbarer Nachbarschaft angeboten hat, entschied ich mich mein Glück woanders zu suchen.

Der dritte Friseur ist in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, ca. 50m Fußweg. Ein simples Ladengeschäft, die in leichtem braun getönten Fenster im Sommer zusätzlich durch venezianische Jalousien verdunkelt, keine Dekoration oder gar Auslagen. Nichts was irgendwie auf Friseur hinweisen könnte. Über dem Fenster eine schlichte, beige Markise mit seinem Name in schwarzen Buchstaben aufgeklebt: Mauro.

Anfangs, schlenderte ich immer ein wenig ehrfürchtig aber auch neugierig vorbei. Nach Danieles zuvorkommendem Angebot fasste ich dann letztendlich Mut und öffnete eines Nachmittags die Glastür, schob die Jalousien bedächtig beiseite und trat ein. Fünf Köpfe drehten sich abrupt zu mir um und starrten schauten mich an. Todesstille.
Ich: "Ist heute noch was frei?"
Mauro, in akzentfreiem römischen Dialekt, die Rasierklinge gefährlich nah am Hals eines Kunden: "Eeeeh, ich bin ein wenig beschäftigt. Wenn's dir nichts ausmacht komm doch morgen nochmal vorbei."
Man muss dazu wissen, dass Friseure hier keine Termine machen, da sich eh keiner daran hält. So ging das die folgenden Nachmittage bis Mauro entweder genervt oder Mitleid mit mir hatte. Jedenfalls durfte ich Platz nehmen. So saß ich da in auf seinem schwarzem, etwas speckigem Sofa der sechziger Jahre.

Mauros Laden hat ungefähr 4x4m und besteht aus eben diesem Sofa, fünf Sex-Magazinen, einem Aquarium mit drei, nach der Bewegungsfähigkeit zu schätzen, ebenfalls aus den Sechziger Jahren stammenden Fischen, zwei reichlich abgenutzten Friseurstühlen und einem Spiegeltisch aus Holz mit leicht milchigen Spiegeln. An der Wand gegenüber dem Eingang hängen drei eingerahmte Fotos. Zwei davon mit Motiven, die sich so oder in anderer Form in jedem zweiten Restaurant, Friseur oder Geschäft in Rom und südlich davon wiederfinden. Ein Foto von Alberto Sordi aus "Ein Amerikaner in Rom" sordiund ein beliebiges Foto von Totò, neapolitanischer Schauspieler mit Kultstatus. Nicht zuletzt der Fernseher rechts oben eingepfercht an der Zimmerdecke, ständig in Richtung Kundschaft schallend.

Die Preisliste besteht aus zwei Einträgen:
Haarschnitt: 9 Euro
Rasur: 4 Euro

Wer von Mauro eine vorherige wohltuende Kopfmassage im Haarwaschbecken erwartet liegt ziemlich falsch. Mit 1000fach geübtem Wedeln wird der Plastikumhang blitzschnell um den Hals gelegt. Ein kurzer Tritt auf das Pedal des Sitzes um die Höhe zu justieren. Kurze Frage wie man es denn gerne hättest. Anschließend umkreist er dich einmal mit seiner Sprühflasche, um die Haare anzufeuchten und um dann die Schere anzusetzen. Das ganze dauert ungefähr 20 Minuten. 17 Minuten schnibbeln, 3 Minuten mit dem Fön, Einpinseln mit einer Wolke aus Bortalk, um mit der Frage abzuschließen: "Darf's ein wenig Gel sein?" toto - francaNeun Euro verschwinden beiläufig ohne den gesetzlich vorgeschriebenen Kassenzettel in der Holzschublade des Spiegeltisches.

Dreiviertel der anwesenden Personen ist nicht etwa zugegen, um sich die Haare schneiden zu lassen, sondern um Schwätzchen zu halten, brandheisse Neuigkeiten auszutauschen, den besten Mechaniker zu erfragen, ihr Auto zu verkaufen oder den Rest ihrer Pension zu verbringen.

Es hat Ewigkeiten gedauert bis Mauro weiter als die typischen Fragen nach dem Haarschnitt gegangen ist und ich brauchte Ewigkeiten, um seinen Dialekt zu verstehen.

Inzwischen sind für mich 9+4 Euro die beste Investition für einen Samstagmorgen.

Wednesday, 13. July 2005

Irgendwann ...

... sollte hier auch mal was Sinnvolles, sprich Interessantes stehen, nur komm ich momentan nicht dazu. Ja, ich weiss, wen interessiert's. Bloedsinnige Idee sich oeffentlich selbst unter Druck zu setzen ...

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